Konzertrückblick: Me and Oceans und Petula am 6.10.2013

Der 6.10.2013 war ein verregneter Sonntag. Dennoch wagten sich einige Erfurter an diesem Tag hinaus in die herbstliche Nacht, um ins Klanggerüst zu kommen. Dort sind an diesem Abend die beiden Musikerkollegen Fabian Schütze, alias Me and Oceans, und Sebastian Cleemann, alias Petula, aufgetreten.

Das Publikum hatte es sich in gedämpftem Licht auf unseren Sofas gemütlich gemacht, als zuerst Petula, mit Loop-Gerät, E-Gitarre und anderen elektronischen Tools ausgrüstet, die Bühne betrat. Cleemanns Musik war geprägt von seiner sanften Stimme und beruhigenden Klangschichten, die die Zuhörer in eine Fantasiewelt entführten. Nebenbei erzählte er Anekdoten aus dem Touralltag.

Zum Beispiel davon, wie er vor ein paar Tagen in einer ländlichen Gegend Äpfel aufgelesen hatte und sogleich von einer empörten älteren Dame zurechtgewiesen wurde: „Pfui, das sind Moschtäpfel!“ Das alles berichtete Cleemann jedoch in einem solch ruhigen Ton, dass die Empörung der Dame sehr absurd wirkte.

Im Anschluss übernahm der Leipziger Me and Oceans das Mikro, der in Erfurt schon zu einiger Bekanntheit gelangt ist. Auch seine Songs passten in ihrer melancholischen Art sehr zum sonntäglichen Regenwetter. Insbesondere sein Stück „Polonaise Blankenese“ erscheint wie ein ratloses Kopfschütteln über die Gesellschaft.

Lest nun hier ein kurzes Interview, das wir mit Petula nach dem Konzert geführt haben:

Wer sind deine musikalischen Vorbilder? Wie kamst du zur Musik?

Cleemann: Ich war schon immer wie ein Schwamm für alles Mögliche und zwar lange ohne Geschmacksfilter. Deshalb fällt es mir schwer diese Frage zu beantworten. Also es gibt viele unterschiedliche Einflüsse. Wobei das auch damit zu tun hat, dass ich die  letzten 10 Jahre im Sinnbus-Umkreis (Anmerkung der Red.: ein 2003 gegründetes  Label) in Berlin verbracht habe. In dieser Zeit habe ich in Bands wie Seidenmatt und Kate Mosh gespielt und viel mit dem großen Bereich Postrock zu tun gehabt. Gleichzeitig bin ich aber immer noch ein Freund des simplen Liedes. Ich glaube, Petula ist so ein bisschen der Versuch Beides zusammen zu bringen. Ich arbeite einerseits mit wiederkehrenden Mustern, mit Loops und kleinen Variationen, wie es viele Postrock-Bands machen. Aber trotzdem versuche ich auch etwas Liedhaftes zu erzeugen, mittels Gesang und Melodien, die ich schön finde.

Als du in anderen Band gespielt hast, hattest du da manchmal das Gefühl, dass du mehr dein eigenes Ding durchziehen müsstest?

Cleemann: Nein, das gar nicht so. Es war nie ein „Müssen“. Auf der einen Seite muss ich als Solokünstler natürlich viele andere Sachen nebenbei machen, um mich zu finanzieren. Der Vorteil ist aber, dass ich nicht darauf angewiesen bin, dass meine Musik wahnsinnig vielen Leuten gefällt. Ich habe also viel Freiraum. Früher war Petula eher eine Nebenspielwiese. Das ist jetzt anders, seitdem ich mehr Zeit darin investiere.

Du hast ja schon Anfang des Jahrtausends mit dem Petula-Projekt angefangen. In wie weit hat sich deine Musik in dieser Zeit verändert?

Cleemann: Punkt Eins: Ich stehe auf der Bühne. Punkt Zwei: Auf der Bühne. Am Anfang habe ich im Wohnzimmer gesessen, später auch in Gaststätten oder bei Freunden. Irgendwann kamen auch mehr Gerätschaften hinzu und manche ließ ich wieder weg, sodass sich auch die Songs veränderten. Mal schauen, ob ich in ein paar Jahren noch genauso Musik mache wie heute.

Welche Art von Bühnen bevorzugst du für deine Auftritte?

Cleemann: Na, schon Bühnen wie hier im Klanggerüst. Ich mag es in kleineren Räumen zu spielen. Wobei heute war es schon fast ein bisschen zu hell für mich, sodass ich die Leute wegen der Scheinwerfer kaum gesehen habe. Aber es klang sehr gut und das hilft einem Künstler, sich in seine eigene Musik rein zu denken.

Mirjam Triebe

Foto: Sven Trümper

Kommentar schreiben

Kommentar